team-freienstein


Direkt zum Seiteninhalt

China = Zhongguo

die Infos


China = Zhongguo

Hinsichtlich der in der westlichen Hemisphäre geprägten Namensgebung Chinas gehen bez. deren Herkunft die Meinungen der Sinologen auseinander. Die eine Seite vertritt die Ansicht, dass der Name auf die Verballhornung des Wortes Ci zurück geht, welches im Chinesischen für das zu historischer Zeit im Ausland beliebteste Exportgut des Landes, das Porzellan, steht. Das andere (und wesentlich größere Lager) führt die Begriffsentstehung auf den Namen des Reiches Qin zurück. Der Herrscher dieses Reiches Qin Shihuangdi (285-210 v. Chr.) führte während seiner Herrschaft einen bis dato beispiellosen Eroberrungsfeldzug und vereinte schließlich die in permanente Territorialkriege verstrickten Staatengebilde zu einem einzigen großen Reich.

Die Chinesen selbst nennen ihr riesiges Land
Zhongguo. In westlichen Übersetzungen wurde daraus i. d. R. das "Reich der Mitte". Aber auch diese Übertragung ist nach Auffassung vieler Historiker eine Verzerrung der ursprünglichen Bedeutung.

Entstanden ist die Namensbezeichnung
Zhongguo wahrscheinlich in der Frühling-Herbst-Periode (chin. Chunqiu, 722-481 v. Chr.) und Stand zu dieser Zeit für eine im Zentrum vieler "Staatengebilde" gelegene Gruppe von Reichen, die einen relativ einheitlichen Kulturraum bildeten. Demnach könnte die korrekte Übersetzung von Zhongguo auch "Reiche der Mitte" lauten.

Das Hauptvolk der Chinesen klassifiziert sich selbst als
Han. Die Zusammensetzung der unter dem Dach dieser Volksgemeinschaft zusammengefassten Ethnien ist jedoch dermaßen mannigfaltig, dass die Vermutung nahe liegt, dass die begrifflich so erzielte weitgehende "Homogenisierung" der Bevölkerung eher von nationalisitischen als von bevölkerungswissenschaftlichen Beweggründen motiviert war und ist. Neben den Han exisitieren zudem 55 offiziell anerkannte nationale Minderheiten, die den Han mitunter rechtlich nicht gleichgestellt sind. So sind sie z. B. von der staatl. "Ein-Kind-Politik" ausgenommen, um ihr ethnisches und kulturelles Fortbestehen zu gewährleisten. Um den besonderen rechtlichen Status eines Bürgers jederzeit verifizieren zu können, ist die Volkszugehörigkeit im Personalausweis eines jeden behördlich erfassten Chinesen vermerkt.

Trotz vieler regionaler Unterschiede, so sind die soziale Struktur und das Wertesystem der Han-Chinesen relativ einheitlich. Ein Beleg für diese homogenen Strukturen ist die Tatsache, dass individuelle Religionsbekenntnisse offensichtlich keinen maßgeblichen Einfluss auf das soziale Verhalten einzelner Individuen haben. Die Flexibilität geht hier sogar so weit, dass gläubige Buddhisten oder Christen bei Totenfeiern symbolische Geldverbrennungen für die Verstorbenen vornehmen, auf dass diese im Ahnenreich gut versorgt sein mögen. Der Kulturdruck zwingt somit jeden, sich den allgemein anerkannten Riten und Gepflogenheiten zu unterwerfen. Abweichungen von der Norm führen i. d. R. zu Ablehnung und Ausgrenzung durch das soziale Umfeld. Was ist aber die philosophische Grundlage dieser gesellschaftliche Disziplin? Die einzige geistige Grundströmung, die die Wirren der chinesischen Geschichte nahezu schadlos überdauert hat, ist der Konfuzianismus (chin. Kongzizhuyi). Führt man sich das in dieser Gesellschaftsphilosophie beschriebene Bild einer idealisierten Gesellschaftsstruktur genauer vor Augen, so erkennt man sehr schnell, dass der Konfuzianismus ein sich durch klar definierte Beziehungsverhältnisse konstituierendes Gesellschaftsmodell propagiert. Und in der Tat, auch im China der Gegenwart fügt sich das Individuum diesen scheinbar unumstößlichen Regeln, ganz gleich, ob es die Eltern sind, die sich für die erfolgreiche Zukunft ihrer Kinder aufopfern, ob es der Vorarbeiter ist, der es nicht wagt, dem Betriebsleiter bezüglich einer gravierenden Fehlentscheidung zu widersprechen oder ob es ein hochrangiger Verwaltungsangestellter ist, der aufgrund von Korruptionsvorwürfen Selbstmord begeht.

Für den Fremden ist ein derart einheitlicher Kulturraum jedoch von Vorteil, da er sich nach dem Erlernen der wesentlichen Denkweisen und Verhaltensmaßregeln mit dem Großteil der Bevölkerung erfolgreich auseinandersetzen kann.


chin. Schriftzeichen für Zhongguo

historische Karte des chinesischen Reiches (18. Jahrhundert)

historischer Reliefdruck mit Abbildung des Konfuzius (551-479 v. Chr.)


© copyright 2008-2011 by team-freienstein | info@team-freienstein.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü